Heute gibt es glücklicherweise mehr als einen Berufsweg für Mädchen und Jungen. Mittlerweile gibt es auch Hausmänner bzw. “Ernährerrinnen”. Doch wer glaubt, das heute alles einfacher ist und es keine Einschränkung aufgrund des Geschlecht mehr gibt irrt. Geschlechterschubladen werden schon bei der Kleidungswahl aufgemacht. Es ist völlig klar, was man als Mann bzw. Frau trägt. Oder wie man in der Öffentlichkeit mit seinen Gefühlen umgeht oder auch welchen Status man auferlegt bekommt wenn man als Mann oder Frau sexuell aktiv ist. Viele Eigenschaften werden durch sich ständig reproduzierende Sozialisationsprozesse immer noch weiter gegeben und als eher männlich bzw. weiblich angesehen.

Aufgrunddessen möchte „abgeklärt“ dazu beitragen, den Selbstfindungsprozess und die Persönlichkeitsentwicklung Jugendlicher zu unterstützen, sowie Rollenbilder und Identitäten zu reflek-tieren.

Ein wesentliches Ziel des Projektes ist es, dass Jungen wie Mädchen ein vielfältigeres Verständnis von sich selbst und ihrer eigenen Sexualität bekommen. Es ist ebenfalls ein Ziel, Jugendliche zur Selbst- und Fremdwahrnehmung zu sensibilisieren und sie zu befähigen, sich selbst auch mit abweichenden Rollenbildern, Neigungen, Empfindungen akzeptieren zu können und sie somit in ihrer Persönlichkeits-entwicklung zu unterstützen.

Es ist Ziel, Schülerinnen und Schülern durch Spiele, Übungen und Gespräche die Möglichkeit zu geben ihre eigene Sexualität reflektieren und Geschlechterrollen zu hinterfragen. Weiterhin sollen auch die kommunikativen Kompetenzen der Jugendlichen im Gruppengespräch gefördert werden.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Entdeckung der eigenen Kompetenzen, Qualitäten und die Förderung von Toleranz und Akzeptanz in Bezug auf Menschen mit anderen sexuellen Orientier-ungen (und damit mit anderen Lebensentwürfen). Wir möchten auch versuchen, lesbische und schwule Jugendliche in ihrem eigenen Coming-out-Prozess zu unterstützen und zu stärken.

Hierfür ist die Bejahung der eigenen Sexualität sowie das Erlernen des Umgangs mit auftretenden Konfliktsituationen von besonderer Bedeutung. In diesem Zusammenhang sollen auch die tradierten Geschlechterrollen vorgestellt und hinterfragt werden. Ziel ist es auch, dass Jugendliche die Dimension der Geschlechterrollen und des dazugehörenden Rollenverhaltens als soziale Konstrukte erfassen, sowie ihnen ihre Funktionen zu verdeutlichen und andere Lösungen zu ermöglichen.

“abgeklärt” möchte Jugendlichen aufzeigen, dass sexuelle Verhaltensweisen und die damit einhergehenden Wertvorstellungen sowie Rollenverteilungen in der Gesellschaft und Partnerschaft nicht nur biologische Voraussetzungen haben, sondern vor allem Ergebnisse einer langen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung sind. Sexualität wird immer durch Normen und Werte geformt. Während es in der Vergangenheit eine gewisse Allgemeinverbindlichkeit von Normen und Werten gab, ist die gegenwärtige Situation aufgrund der Vielfalt von Lebensformen durch eine grosse Orientierungslosigkeit gekennzeichnet. Die damit verbundenen Normen-abweichungen können für den Einzelnen schwierige Konflikte einschliessen und zu Unsicherheiten im Rollenverhalten führen. Ziele wie Themenbereiche von „abgeklärt“ sind deshalb so ausgerichtet, das sie der Unterstützung einer eigenen sexuellen Identität und der Förderung des (Selbst-) Bewusstseins dienen.